Die Parade war recht langweilig und wir wollten schon gehen, als sich in der Hardenbergstraße etwas tat. Leute strömten zusammen, Wannen, wie die Mannschaftswagen der Polizei liebevoll genannt wurden, kamen angerast, die Hardenbergstrasse wurde gesperrt und am Steinplatz wurde Stacheldraht vor der TU Mensa ausgerollt.

Das mussten wir uns ansehen. Da wir uns auf dem TU Gelände auskannten, liefen wir durch den Eingang am »17. Juni« und quer über das Campus-Gelände zur Mensa, neben dieser war ein Studentenwohnheim. Davor gab es einen Menschenauflauf und aus einem Fenster dröhnte ein Kampflied: »Vorwärts und nicht vergessen ...« oder so ähnlich, furchtbar übersteuert und immer wieder.

Wir liefen weiter, die Mensa war noch geöffnet. Vor den Eingängen, die zur Hardenbergstraße führten, waren Demonstranten. Ihnen gegenüber, durch Stacheldraht getrennt, standen weißbehelmte Polizisten. Um ein besseres »Schussfeld« zu haben, rannten wir die Treppen nach oben und fanden eine unverschlossene Tür, die auf das Flachdach führte. Von hier konnten wir, offensichtlich unbemerkt, das Geschehen vor der Mensa fotografieren.

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Demonstranten warfen Steine und die Polizisten revanchierten sich mit Tränengas. Die Tränengas-Kartuschen wurde beherzt zurückgeworfen, daraufhin schmissen auch die Polizisten mit Steinen. Unvermittelt gab es einen Vorstoß der Polizei, sie stürmte die Mensa, wir hörten es unter uns rumoren und poltern, Nebelschwaden kamen das Treppenhaus empor. Dann war es ruhig, sie hatten sich wieder zurückgezogen.

Unser Bedarf an Abenteuer war gedeckt und wir zogen uns zurück. Auf dem Innenhof der Uni machte das Gerücht die Runde, die Polizei wolle das Gelände stürmen. Die einhellige Meinung war, dass sie das nicht dürften. Uns war das zu unsicher, wir entdeckten eine Tür, die in das angrenzende Gebäude der Hochschule der Künste führte, sie war zu unserem Glück unverschlossen.

Über zwei Innenhöfe kamen wir zum hintersten Gebäude, eine halbe Ruine, in der die Bildhauer untergebracht waren. Hier gelang es uns, über eine kleine Mauer zu klettern. Wir waren auf der  Fasanenstraße und ausserhalb des Geschehens. In einem großen Bogen, über den Bahnhof Zoo und die Kantrasse, liefen wir wieder zum Steinplatz. Hier hörten wir, dass die Polizei tatsächlich das Uni-Gelände gestürmt und einige Demonstranten abtransportiert hatte.

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An diesen Abend war ich, wie so oft, in Borsigwalde im »Count Cown«. Zu den Stammgästen gehörten auch Bereitschaftspolizisten aus der nahe gelegenen Polizeikaserne in Schulzendorf. Da man sich gut kannte, kam das Gespräch auf die Ereignisse des Tages. »Tagelang hatten wir Ausgangssperre, Mensch hatte ich eine Wut im Bauch«, sagte einer »Wenn mich diese Idioten mit Steine bewerfen, soll ick nich zurückwerfen, nee nicht mit mir«, der andere. Mit ein par Bier und dem Austausch weiterer Erlebnisse beendeten wir den Tag.

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Zitate aus »Freie Universität Berlin 1948-1973 - Hochschule im Umbruch«

TU-Präsident bezeichnet Militärparade als Provokation

Der Präsident der Technischen Universität, Alexander Wittkowsky, äußert in einer Erklärung die Auffassung, angesichts der weltweiten Empörung über den Einmarsch von US-Streitkräften in Kambodscha betrachte er die Alliierte Militärparade auf der Straße des 17. Juni als Provokation. Wittkowsky kündigt an, daß er versuchen werde, "die Polizei vom TU- Gelände fernzuhalten". In Reaktion auf diese Erklärung des TU-Präsidenten fordert der Senator für Wissenschaft und Kunst den Präsidenten der TU auf, derartige Erklärungen zu unterlassen und der Polizei jede Unterstützung zu gewähren.

TU-Berlin von Polizei abgeriegelt

Für die Berliner Schutz- und Bereitschaftspolizei wird Große Alarmstufe gegeben, um die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen für die Truppenparade anläßlich des Tages der Allierten Streitkräfte zu gewährleisten. Die Technische Universität Berlin wird weitläufig durch Stacheldraht abgeriegelt. Auf dem Gelände der TU entdecken Polizeibeamte in einem Lagerraum 14 Molotow-Cocktails, die vermutlich im Zusammenhang mit den geplanten Aktionen gegen die Alliierte Militärparade dort versteckt worden sind.

23. Mai 1970 Ausschreitungen nach Militärparade

Die Militärparade der drei Westallierten auf der Straße des 17. Juni wird bei ihrem Vorbeimarsch vom TU Gelände aus von Demonstranten durch Stein- und Farbbeutelwürfe gestört. An dem Gebäude der Technischen Universität hängt ein riesiges Bild des chinesischen Parteivorsitzenden Mao Tse Tung. Nach Abschluß der Parade kommt es den Nachmittag über zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrantengruppen und der Polizei. Die Demonstranten ziehen sich immer wieder auf das Gelände der Technischen Universität zurück und bewerfen von dort aus die Polizei mit Steinen. Bei ihrem Vorgehen gegen diese Demonstranten werfen auch Polizeibeamte mit Steinen. Polizeikräfte besetzen schließlich mehrere Gebäude der TU und der Hochschule für bildende Künste (HfbK), um Demonstranten aus den Gebäuden zu vertreiben. Dabei kommt es in der HfbK zu Übergriffen von Polizeibeamten gegen unbeteiligte Kunststudenten und Professoren. Im Verlauf der Auseinandersetzungen werden zehn Polizisten verletzt und 52 Personen vorläufig festgenommen.

Quelle: http://fuberlin.tripod.com/

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