Geschichte

Galeone
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Die Anfänge

Wein statt Zuckerrohr

Das erste wichtige Produkt welches nach der Eroberung Teneriffas angebaut wurde, war der Zucker. Genuesische Kaufleute, die die Eroberung des Archipels durch die Spanier 1490 mit finanziert hatten, machten es den Portugiesen auf Madeira nach und bauten Zuckerrohr an den nördlichen Hängen der Insel an. Jedoch konnten weder der Zucker von den Kanaren noch der von Madera, mit den enormen Mengen die in Brasilien produziert wurden, mithalten. Dazu war er noch deutlich günstiger. Er wurde 1650 in den Londoner Märkten zu der Hälfte des Preises des Kanarischen Zuckers verkauft. Zu der Zeit war Teneriffa aber schon das führende Weinanbaugebiet des Atlantik. Man hatte rechtzeitig von Zuckerrohr auf Weinanbau umgestellt. Der erste Wein wurde vermutlich von Fernando de Castro im Jahr 1497 angebaut. Im 16. Jahrhunderts wurde der Wein nach Madeira (1515), Jerez (1517) oder England (1519) exportiert. Man begann seine Qualität zu schätzen. Nach der Weinernte 1674 ankerten, einem Bericht nach, 150 Schiffe an der Nordküste Teneriffas, um Wein zu laden. Der Wein war zu einem Ersatz des Rohrzuckers geworden und die günstige geostrategische Lage begünstigte seinen Export. Die Schiffe verkehrten zwischen drei Kontinenten, zwischen Europa Amerika und Afrika. Die Häfen von Garachico und Orotava übertrafen den Warenverkehr des Hafens von Santa Cruz.

Malvasia, der Modewein

Mit dem Zucker, der in den Mittelmeerraum exportiert wurde, kam der Wein auf die Inseln. Hauptsächlich der Malvasier (Malvasía), eine Traube aus der Gegend um die griechische Stadt Monemvasia. Nach Viera y Clavija, dem kanarische Historiker des 18. Jahrhunderts, wurden aus dieser Traube zwei Weinsorten produziert. Zum einen ein trockener, grünlicher Wein und zum anderen ein purpurner Likör. Allerdings ging aus den Geschäftsberichten hervor, dass es noch eine dritte Sorte gab, einen süssen Weisswein. Dieser war der der am erfolgreichsten gehandelte Wein des 17. Jahrhunderts. Dieser Malvasia aus Teneriffa war kein Wein, der sofort getrunken wurde, er musste reifen und gewann dabei an Wert.
Die Kurse dieses Luxusweins entwickelten sich von 1620 bis 1690 rasant. Besonders in England war er ein geschätzter Tropfen, den selbst Shakespeares Falstaff würdigte , "drowned in a butt of Malmsey wine“.

Der Niedergang

Der Weinkrieg mit England

Das 17. Jahrhundert, am Anfang noch der Gipfel des Erfolgs, leitete den Niedergang des Weinbaus auf Teneriffa ein. Durch den Staple Act von 1663, der quasi eine Verschärfung des Navigation Acts von 1661 darstellt. Dieses Gesetz erlaubte den Import von Waren nach England und seine Kolonien nur durch englische Schiffe und Kaufleute. Es begann eine Verdrängung des Malvasia durch den Portwein und den Madeira, ausgelöst durch hohe Zölle auf den spanischen Wein. Als dann noch englische Kaufleute versuchten, ein Weinmonopol auf Teneriffa zu errichten, kam es 1666 zu einem Aufstand. Vermummte Einheimische verschütteten den Wein englischer Händler, auf Garachicos Strassen.

Der nächste Schlag war die Vernichtung des Hafens von Garachico durch einen Vulkanausbruch im Jahr 1706. Da die Exporte in der Hauptsache über den Hafen von Garachico liefen, waren sie davon direkt betroffen. Der Hafen von Orotava war kein gleichwertiger Ersatz und der Landweg zum Hafen von Santa Cruz mühsam. Auch die Differenzen mit den englischen Kaufleuten nahmen im 18. Jahrhundert weiter zu.

Plagen und Seuchen

Das 19. Jahrhundert brachte, einhergehend mit dem Niedergang des Marktes, auch noch zwei Bedrohungen der Weinkulturen, durch den echten und falschen Mehltau, in den Jahren 1852 und 1878. Glücklicherweise blieben die Kanaren von der Reblaus verschont, die auf dem Kontinent Millionen Hektar Weinberge zerstörte und zum Verschwinden vieler Rebsorten führte. Dadurch konnten viele alte Rebsorten bis heute auf den Inseln bewahrt werden.

Neuanfang

Erst in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts etablierte sich wieder ein Weinanbau nach Qualitätskriterien auf Teneriffa. Den Anfang machte die Region um Tacoronte.

Die ersten kontrollierten Anbaugebiete (Denominación de Origen)

Die erste von den DOs, die auf der Insel entstanden, ist im Jahr 1992 die Weinbauregion DO Tacoronte-Acentecho. Zwei Jahre später wurde die D.O. Ycoden-Daute-Isora, gegründet. Im selben Jahr schliesst sich die Entstehung der DO Valle de La Orotava an. Ein Jahr später wird die DO Valle de Güímar bewilligt und im selben Jahr die DO Abona.

Die Zukunft

DO Tenerife (Denominación de Origen Tenerife)

In der Casa de Vino präsentierte sich 2016 die Asociación de Bodegueros y Viticultores de Tenerife (Vereinigung der Kellermeister und Winzer von Teneriffa), sie vertritt 22 Weinkellereien, die zusammen 70 % der Qualitätsweine der Insel produzieren. In Planung ist, bis 2019 ein einheitliches Anbaugebiet für Teneriffa zu schaffen, die DO Tenerife (Denominación de Origen Tenerife). das bisherige System soll aber beibehalten werden.

© gerrit fichtner 2019

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