Teneriffas kleine Weinkunde

Weintrauben Panorama

Weine von den kanarischen Inseln sind in Deutschland leider noch recht unbekannt. Auch bei Weinhändlern, die sich auf spanische Weine spezialisiert haben, wird man wenig solcher Weine finden. Das sieht bei den grossen spanischen Anbietern nicht viel anders aus. Selbst vor Ort auf Teneriffa, überwieg das Angebot spanischer Festlandweine.

Das liegt zum einen daran, dass bis vor noch nicht allzulanger Zeit, die eher geringen Mengen von dem, auf Teneriffa angebauten und produzierten Wein, direkt auf Bauernmärkten verkauft, oder in Gaststätten als Hauswein angeboten wurde. Zum anderen gab es, nach dem Zusammenbruch des Weinbaus im 17./18. Jahrhundert, zuwenig Anbaufläche.

Erst in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich die Situation grundlegend verändert. Die Weinkellereien schlossen sich  zusammen. Es wurde das Qualitätssystem der Denominación de Origen (DO), d. h. der Region mit kontrolliertem Anbau, eingeführt. Dadurch konnten Qualitätsweine angeboten werden, die das Potential haben, im nationalen und internationalen Wettbewerb zu bestehen. 

Geschichte

Galeone

Die Anfänge

Wein statt Zuckerrohr

Das erste wichtige Produkt welches nach der Eroberung Teneriffas angebaut wurde, war der Zucker. Genuesische Kaufleute, die die Eroberung des Archipels durch die Spanier 1490 mit finanziert hatten, machten es den Portugiesen auf Madeira nach und bauten Zuckerrohr an den nördlichen Hängen der Insel an. Jedoch konnten weder der Zucker von den Kanaren noch der von Madera, mit den enormen Mengen die in Brasilien produziert wurden, mithalten. Dazu war er noch deutlich günstiger. Er wurde 1650 in den Londoner Märkten zu der Hälfte des Preises des Kanarischen Zuckers verkauft. Zu der Zeit war Teneriffa aber schon das führende Weinanbaugebiet des Atlantik. Man hatte rechtzeitig von Zuckerrohr auf Weinanbau umgestellt. Der erste Wein wurde vermutlich von Fernando de Castro im Jahr 1497 angebaut. Im 16. Jahrhunderts wurde der Wein nach Madeira (1515), Jerez (1517) oder England (1519) exportiert. Man begann seine Qualität zu schätzen. Nach der Weinernte 1674 ankerten, einem Bericht nach, 150 Schiffe an der Nordküste Teneriffas, um Wein zu laden. Der Wein war zu einem Ersatz des Rohrzuckers geworden und die günstige geostrategische Lage begünstigte seinen Export. Die Schiffe verkehrten zwischen drei Kontinenten, zwischen Europa Amerika und Afrika. Die Häfen von Garachico und Orotava übertrafen den Warenverkehr des Hafens von Santa Cruz.

Malvasia, der Modewein

Mit dem Zucker, der in den Mittelmeerraum exportiert wurde, kam der Wein auf die Inseln. Hauptsächlich der Malvasier (Malvasía), eine Traube aus der Gegend um die griechische Stadt Monemvasia. Nach Viera y Clavija, dem kanarische Historiker des 18. Jahrhunderts, wurden aus dieser Traube zwei Weinsorten produziert. Zum einen ein trockener, grünlicher Wein und zum anderen ein purpurner Likör. Allerdings ging aus den Geschäftsberichten hervor, dass es noch eine dritte Sorte gab, einen süssen Weisswein. Dieser war der der am erfolgreichsten gehandelte Wein des 17. Jahrhunderts. Dieser Malvasia aus Teneriffa war kein Wein, der sofort getrunken wurde, er musste reifen und gewann dabei an Wert.
Die Kurse dieses Luxusweins entwickelten sich von 1620 bis 1690 rasant. Besonders in England war er ein geschätzter Tropfen, den selbst Shakespeares Falstaff würdigte , "drowned in a butt of Malmsey wine“.

Der Niedergang

Der Weinkrieg mit England

Das 17. Jahrhundert, am Anfang noch der Gipfel des Erfolgs, leitete den Niedergang des Weinbaus auf Teneriffa ein. Durch den Staple Act von 1663, der quasi eine Verschärfung des Navigation Acts von 1661 darstellt. Dieses Gesetz erlaubte den Import von Waren nach England und seine Kolonien nur durch englische Schiffe und Kaufleute. Es begann eine Verdrängung des Malvasia durch den Portwein und den Madeira, ausgelöst durch hohe Zölle auf den spanischen Wein. Als dann noch englische Kaufleute versuchten, ein Weinmonopol auf Teneriffa zu errichten, kam es 1666 zu einem Aufstand. Vermummte Einheimische verschütteten den Wein englischer Händler, auf Garachicos Strassen.

Der nächste Schlag war die Vernichtung des Hafens von Garachico durch einen Vulkanausbruch im Jahr 1706. Da die Exporte in der Hauptsache über den Hafen von Garachico liefen, waren sie davon direkt betroffen. Der Hafen von Orotava war kein gleichwertiger Ersatz und der Landweg zum Hafen von Santa Cruz mühsam. Auch die Differenzen mit den englischen Kaufleuten nahmen im 18. Jahrhundert weiter zu.

Plagen und Seuchen

Das 19. Jahrhundert brachte, einhergehend mit dem Niedergang des Marktes, auch noch zwei Bedrohungen der Weinkulturen, durch den echten und falschen Mehltau, in den Jahren 1852 und 1878. Glücklicherweise blieben die Kanaren von der Reblaus verschont, die auf dem Kontinent Millionen Hektar Weinberge zerstörte und zum Verschwinden vieler Rebsorten führte. Dadurch konnten viele alte Rebsorten bis heute auf den Inseln bewahrt werden.

Neuanfang

Erst in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts etablierte sich wieder ein Weinanbau nach Qualitätskriterien auf Teneriffa. Den Anfang machte die Region um Tacoronte.

Die ersten kontrollierten Anbaugebiete (Denominación de Origen)

Die erste von den DOs, die auf der Insel entstanden, ist im Jahr 1992 die Weinbauregion DO Tacoronte-Acentecho. Zwei Jahre später wurde die D.O. Ycoden-Daute-Isora, gegründet. Im selben Jahr schliesst sich die Entstehung der DO Valle de La Orotava an. Ein Jahr später wird die DO Valle de Güímar bewilligt und im selben Jahr die DO Abona.

Die Zukunft

DO Tenerife (Denominación de Origen Tenerife)

In der Casa de Vino präsentierte sich 2016 die Asociación de Bodegueros y Viticultores de Tenerife (Vereinigung der Kellermeister und Winzer von Teneriffa), sie vertritt 22 Weinkellereien, die zusammen 70 % der Qualitätsweine der Insel produzieren. In Planung ist, bis 2019 ein einheitliches Anbaugebiet für Teneriffa zu schaffen, die DO Tenerife (Denominación de Origen Tenerife). das bisherige System soll aber beibehalten werden.

Das Qualitätssystem

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Auch in Spanien gibt es, wie in anderen Weinanbauregionen ein Qualitätssystem, die letzte Änderung gab es im Weingesetz von 2003. Davon profitierten im Wesentlichen die Landweine, die Vinos de la Tierra. Hier gibt es jetzt die Möglichkeit fassgelagerte Weine mit abgestuften Bezeichnungen, ähnlich wie bei den Qualitätsweinen, zu kennzeichnen.

Die Stufen des Qualitätssystems, wie es zur Zeit besteht, sind:

Vinos con Denominación de Origen Protegida (DOP)

Vinos de Pago

Die grösste Auszeichnung, die ein Wein bekommen kann. „Pagos“ sind kleine Gebiete, die sich auf Grund ihres Mikroklimas oder der speziellen Bodenbegebenheiten stark von ihrer Umgebung unterscheiden. Es darf dort nur eine Bodega Weine keltern.

Für Teneriffa hat diese Bezeichnung noch keine Bedeutung.

Vinos con Denominación de Origen Calificada (DOCa)

Vinos con Denominación de Origen (DO)

Das ist ein Wein mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung. Sie stammen aus einer bestimmten Region. Die Herstellung wird nach bestimmten Regeln durchgeführt Ein „Consejo Regulador“ (Kontrollrat) überwacht die Qualität und garantiert die Herkunft der Weine.

Hier gibt es folgende Qualitätsstufen:

  • Cosecha. Dieses Rückenetikett tragen die Weine, die entweder nicht die nötige Reifezeit im Holzfass und/oder Flasche verbracht haben, um eine der höheren Bezeichnungen tragen zu dürfen oder die vom Produzenten abgestuft wurden.
  • Vino joven werden in der Regel die Weine ohne Holzfassausbau bezeichnet, es gibt jedoch keine rechtliche Festlegung. Als Rückenetikett tragen die Jovenes das vorgenannte.
  • Semi Crianza oder Crianza Corta ist eine inoffizielle Bezeichnung und kennzeichnet die Weine, die einige Monate im Holzfass waren, jedoch nicht lange genug gelagert wurden, um als Crianza vermarktet zu werden. Oft findet man die Bezeichnungen Roble oder Barrica auf dem Etikett.
  • CVC (Conjunto de varias Cosechas), ein Verschnitt von mehreren Jahrgängen. Ist kaum noch gebräuchlich.
  • Crianza, Wein mit mindestens sechs Monaten Fasslagerung und 12 bis 18 Monaten Flaschenlagerung bei mindestens 24 Monaten Gesamtalter. Ausnahmen: in den Gebieten Navarra, Rioja, Ribera del Duero und Penedès sind zwölf Monate Fasslagerung vorgeschrieben. Für Weißweine gilt ein Mindestalter von einem Jahr, davon jeweils 6 Monate in Flasche und Fass.
  • Reserva, rot: Wein mit mindestens einem Jahr Fasslagerung und zwei Jahren Flaschenlagerung; weiß: Wein mit mindestens 6 Monaten Fasslagerung und 1,5 Jahren Flaschenlagerung
  • Gran Reserva, rot: Wein mit mindestens 2 Jahren Fasslagerung und 3 Jahren Flaschenlagerung; weiß: Wein mit mindestens 6 Monaten Fasslagerung und 3,5 Jahren Flaschenlagerung

Teneriffa hat zur Zeit die Anbaugebiete

Bis 2019 soll es zusätzlich eine DO Tenerife geben.

Vinos de Calidad con Indicación Geográfica (VC)

Bezeichnung eines Qualitätsweins der in einer Region hergestellt und produziert wird. Vergleichbar mit einer DO, aber wohl nicht mit so hohen Ansprüchen. Die Bezeichnung ist etwas umstritten, da die Bodegas auf dem Gebiet einer DO liegen und von dem Ruf der Region profitieren, obwohl sie nicht dieselben Ansprüche erfüllen müssen.

Bezeichnung: VC / D.O.P. Las Islas Canarias

Vinos de la Tierra (IGP)

Ist ein Landwein aus einer bestimmten Region, bei ihm dürfen Rebsorte und Jahrgang angegeben werden. Die Ansprüche sind gering.

Bezeichnung: VM Tenerife

Vino de Mesa

Dieser Tafelwein kann aus ganz Spanien kommen und darf weder Herkunftsgebiet, Jahrgang oder eine Rebsortenangabe auf dem Etikett aufweisen.

Anbaugebiete und Bodegas

Bodega

Vinos con Denominación de Origen Protegida (DOP)

Vinos con Denominación de Origen (DO)

Vinos de Calidad con Indicación Geográfica (VC)

Vinos de la Tierra (IGP)

Vino de Mesa

Vinos con Denominación de Origen (DO)

DO Abona

Umfasst die Gemeinden Adeje, Arico, Arona, Fasnia, Granadilla de Abona, San Miguel de Abona und Vilaflor.

Das Weinbaugebiet liegt im Süden der Insel auf einer Höhe zwischen 210 und 1780 m. ü. Meeresspiegel. Die Rebflächen von Vilaflor zählen zu den höchstgelegenen in Europas. Die Reben dieser Region wachsen vor allem in „tierras de jable“ (eine weiße, vulkanische Asche), die sehr aromatische Weine mit viel Temperament hervorbringt.

Rebsorten

  • rote Sorten: Listán Negro, Moscatel negro, Negramoll, Tintilla und Vijariego Negro
  • weiße Sorten: Bermejuela, Gual, Malvasia de Sitges, Moscatel

Zugelassen sind darüber hinaus:

  • rote Sorten: Bastardo Negro, Cabernet Sauvignon, Castellana Negra, Malvasía rosada, Merlot, Pinot Noir, Ruby Cabernet, Syrah, Tempranillo
  • weiße Sorten: Bastardo Blanco, Forastera, Listán blanco, Pedro Ximénez, Sabro, Torrontés, Verdello, Vijariego

Concejo Regulador,  www.vinosdeabona.com

Bodegas:

DO Tacoronte-Acentejo

Das Gebiet liegt im Nordosten der Insel und umfasst die Gemeinden von Santa Cruz de Tenerife, San Cristóbal de La Laguna, El Rosario, Tegueste, Tacoronte, El Sauzal, La Matanza de Acentejo, La Victoria de Acentejo, Santa Úrsula und das Teilgebiet Anaga. In dieser Region befinden sich die dichtesten Anbauflächen auf den Kanarischen Inseln. Die Reben werden in Terrassen am Hang gepflanzt sie sind nach Norden und zum Meer ausgerichtet. Der Boden ist lehmig, reich und fruchtbar.

Rebsorten

Zu fast 90 % werden Rotweine aus den Listán Negro und Negramoll, sowie Grenache (local Tintilla genannt), Moscatel Negro, Malvasia Rosada und Vijariego Negro produziert.

Concejo Regulador, www.tacovin.com

Bodegas

DO Valle de Güímar

Die DO liegt im Südosten der Insel und umfasst Weinberge in den Gemeinden Arafo, Candelaria und Güímar. Das Anbaugebiet erstreckt sich von der Küste bis hinauf zu 1.500 Metern Höhe. Die vulkanischen Böden und die Vorherrschaft der Passatwinde bestimmen das unverwechselbare Wesen der Weine.

Rebsorten

Concejo Regulador, www.vinosvalleguimar.com

Bodegas

DO Valle de la Orotava

Dieses Gebiet Liegt im Norden der Insel und bezieht die Orte La Orotava, Los Realejos und Puerto de la Cruz ein. Die Böden in dieser Weinregion sind leicht, durchlässig , reich an Mineralien und leicht sauer. Weiß- und Rotweine werden fast in gleichen Mengen erzeugt und in kleineren Mengen Rosé. Seit Generationen haben die Winzer ein eigenes Anbausystem für ihre Reben entwickelt, den cordón múltiple. Hierbei werden die Reben in einer gewissen Höhe um ein, bis zu 15 Meter langes, Stahlseil geflochten.

Rebsorten

Concejo Reguladorwww.dovalleorotava.com

Bodegas

DO Ycoden-Daute-Isora

Das Weinanbaugebiet umfasst eine grosse Region im Nordwesten und ist eine geographische Übergangszone zwischen dem Norden und Süden der Insel . Sie umfasst Weinberge in den Gemeinden San Juan de la Rambla, La Guancha, Icod de los Vinos, Garachico, El Tanque, Los Silos, Buenavista del Norte, Santiago del Teide und Guía de Isora. Die Anbauflächen liegen auf Böden von Asche und Lava. Die Parzellen sind klein und steil und die meiste Arbeit wird von Hand gemacht.

Rebsorten

Concejo Regulador, ycoden.com

Bodegas

Vinos de Calidad con Indicación Geográfica (VC)

Asociación de Viticultores y Bodegueros de Canarias (AVIBO), canarywine.com

Bodegas

Vinos de la Tierra (IGP)

ASVITEN, Asociaciones de vinos de la tierra, facebook

Bodegas

Vino de Mesa

Bodegas

  • Loles Pérez Wine

Weintourismus

 weintourismus

Der Weinanbau ist als Faktor für die Entwicklung des Qualitätstourismus nicht zu unterschätzen.

Hier gibt es verschiedene Ansätze, den Weinanbau für Touristen interessant zu gestalten.

Karten

Karte der Weinanbaugebiete

Karte der Guachinches

Quellen

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Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Abona
https://de.wikipedia.org/wiki/Tacoronte-Acentejo
https://de.wikipedia.org/wiki/Valle_de_Güímar
https://de.wikipedia.org/wiki/Valle_de_la_Orotava
https://de.wikipedia.org/wiki/Ycoden-Daute-Isora

Consejos Reguladores
Abona, www.vinosdeabona.com
Tacoronte-Acentejo, www.tacovin.com
Valle de Güímar, www.vinosvalleguimar.com
Valle de La Orotava, www.dovalleorotava.com
Ycoden-Daute-Isora, ycoden.com

Asociación de Viticultores y Bodegueros de Canarias (AVIBO), canarywine.com

Casa del Vino
Denominaciones de Origen de Tenerife

El Día
Impulso a la creación de la Denominación de Origen Vino de Tenerife
La denominación de origen única para los vinos estará en dos años

Dossier Kanarische Weine (PDF)
www.wein-aus-spanien.org

HISTORIA ECONOMICA DE CANARIAS
LA ECONOMIA VINICOLA DE TENERIFE EN EL SIGLO XVII: RELACION ANGLOESPAÑOLA EN UN COMERCIO DE LUJO.
George F. Steckley Knox College, IlIinois (U.S.A.)
Digitalización realizada por ULPGC. Biblioteca Universitaria, 2010

Google Maps

Fotografien: Adobe Stock

© gerrit fichtner 2017

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