Dazu fällt mir eine Geschichte ein. Ich war seinerzeit etwa 18 Jahre jung. Wir lebten damals im äussersten Norden von Berlin. Wenn ich in die Disco wollte, war es mit dem Bus eine Weltreise und und die Monatskarte galt nicht für die S-Bahn. Einen Führerschein hatte ich, aber kein Auto. Der Wagen meines Vaters war tabu und der meiner Mutter stand grundsätzlich mit fast leerem Tank vor der Tür. Wer damit fahren wollte, musste tanken. Das klappte mit meinen begrenzten Mittel grade eben, jeden Samstag standen mir fünf Mark Taschengeld für Benzin und weitere fünf Mark, durch Rasenmähen, oder Autowaschen hart verdient, für Zigaretten und den Eintritt in die Disco, ein Bier inbegriffen, zur Verfügung. 1968 war das bei den damaligen Preisen noch möglich.

 

Eines nachts ging mein Benzin-Poker nicht auf. Wir waren nicht nur in Kreuzberg in der „Dachluke“ am Mehringdamm, sondern auch noch in Steglitz in der „Eierschale“ am Breitenbachplatz und ausserdem spielte ich wie immer „Sammeltaxi“ für meine Freunde. Kurzum, circa zwei Kilometer von unserem Haus entfernt war der Tank leer. Da stand ich nun nachts um vier, etwas ratlos, neben dem Auto. Ich stellte mich schon innerlich auf einen nächtlichen Fussmarsch und eine Gardinenpredigt am nächsten Morgen ein.

Da hielt hinter mir ein Taxi. „Watt ’n los“ fragte der Fahrer. Ich machte ihm klar, dass der Tank und mein Portmonee leer waren. „Hast ’n Kanista“, als ich bejahte und den leeren Kanister aus dem Kofferraum holte, murmelte er „Ick hab nur Diesel“, nahm den Kanister, stieg in seine Droschke und fuhr wortlos davon. Ich blieb ziemlich verdattert zurück und setzt mich wieder in das Auto. Nach einer halben Ewigkeit kam er zurück, stieg aus, holte den vollen Kanister aus dem Kofferraum und drückte ihn mir in die Hand. „ Ab jetzt haste imma een vollen Kanista dabei und wenn de een siehst, der liejen jeblieben is, jibste ihm den Spritt. Irjendwann kommt det wieda bei mir an“, sagt ’s und fuhr davon.

Tatsächlich konnte ich Jahre später jemandem mit Benzin aushelfen und gab ihm den Spruch des Taxifahrers mit auf den Weg.

© gerrit fichtner 2019

Gerrit

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