Dazu fällt mir eine Geschichte ein. Ich war seinerzeit etwa 18 Jahre jung. Wir lebten damals im äussersten Norden von Berlin. Wenn ich in die Disco wollte, war es mit dem Bus eine Weltreise und und die Monatskarte galt nicht für die S-Bahn. Einen Führerschein hatte ich, aber kein Auto. Der Wagen meines Vaters war tabu und der meiner Mutter stand grundsätzlich mit fast leerem Tank vor der Tür. Wer damit fahren wollte, musste tanken. Das klappte mit meinen begrenzten Mittel grade eben, jeden Samstag standen mir fünf Mark Taschengeld für Benzin und weitere fünf Mark, durch Rasenmähen, oder Autowaschen hart verdient, für Zigaretten und den Eintritt in die Disco, ein Bier inbegriffen, zur Verfügung. 1968 war das bei den damaligen Preisen noch möglich.

Im August 1949 geboren, müsste ich das sein, was man spätestens seit Joschka Fischer einen 68er nennt, dass ich damals in Berlin lebte spricht auch dafür. Ich sehe es nicht ganz so, zwar gab es die 68er Studentenrevolte, nur war ich damals kein Student und nach Einschätzung meines Vaters würde ich auch nie einer werden. Die politischen Ereignisse haben mich damals auch nicht berührt, mit meinem Alter von 18 oder 19 Jahren hatte ich andere Probleme. Klar wusste ich von den Demos und Straßenschlachten und ein Klassenkamerad war auch bei der denkwürdigen Wasserschlacht am Tegeler Weg dabei, natürlich haben wir kleine Flugblätter mit der Aufschrift : »Kurt Georg Kiesinger: Erst NS-Propagandist, jetzt NotStandsplaner. Deshalb STREIK gegen NS-Gesetze« aus dem Klassenfenster auf den Schulhof geworfen und da keiner sagte, wer das war, ist die gesamte Klasse sanktioniert worden.

© gerrit fichtner 2017

Gerrit

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